Drücken Sie ESC zum Schließen

🧬 Peptide Lab Artikel Ratgeber Produkte
Mehr 📊 Peptide Tracker 🧮 Rechner Kontakt Newsletter
Français English Deutsch Español Português العربية Italiano Polski 한국어 日本語 RU
PT
141

PT-141

Bremelanotide (Vyleesi®)

1025.2 g/mol Molekulargewicht
C₅₀H₆₈N₁₄O₁₀ Formel
FDA-zugelassen (Vyleesi) Status
Ac-Nle-c[Asp-His-D-Phe-Arg-Trp-Lys]-OH
PT-141 Photo: Mikhail Nilov

Was ist PT-141 (Bremelanotid)?

PT-141, mit dem internationalen Freinamen Bremelanotid, ist ein synthetisches zyklisches Heptapeptid, das zur Klasse der Melanocortin-Rezeptor-Agonisten gehört. Es leitet sich strukturell von Melanotan II (MT-II) ab, einem Analogon des körpereigenen Hormons α-Melanozyten-stimulierendes Hormon (α-MSH). Während Melanotan II ursprünglich zur Hautbräunung erforscht wurde, fiel in frühen Studien eine unerwartete Nebenwirkung auf: eine ausgeprägte Steigerung des sexuellen Verlangens und der Erektionsfähigkeit. Aus dieser Beobachtung ging PT-141 als eigenständige Substanz hervor.

Chemisch ist Bremelanotid das ringförmige Derivat von Melanotan II, dem die C-terminale Amidgruppe fehlt. Diese strukturelle Anpassung verändert das Rezeptorprofil und reduziert die stark pigmentierende Wirkung des Ausgangsmoleküls. Das Ergebnis ist ein Wirkstoff, der gezielter auf die zentralnervösen Mechanismen des Sexualverhaltens einwirkt. Wer die biochemischen Grundlagen solcher Moleküle vertiefen möchte, findet im Beitrag Was ist ein Peptid? eine verständliche Einführung.

Anders als die meisten in der Forschung diskutierten Peptide hat PT-141 einen entscheidenden Status erreicht: Es ist eines der wenigen Peptide, das ein vollständiges klinisches Zulassungsverfahren durchlaufen hat. Unter dem Markennamen Vyleesi wurde es als Arzneimittel zur Behandlung einer spezifischen Form sexueller Funktionsstörung registriert. Damit unterscheidet es sich grundlegend von vielen „Research Peptides“, deren Wirksamkeit beim Menschen nicht belegt ist.

Im Mittelpunkt steht die Behandlung der sexuellen Lustlosigkeit, die auf neuronaler statt auf vaskulärer Ebene entsteht. Dieser Mechanismus macht PT-141 zu einem konzeptionell anderen Ansatz als die etablierten Medikamente gegen erektile Dysfunktion. In den folgenden Abschnitten betrachten wir den Wirkmechanismus, die Studienlage, die Dosierung und den regulatorischen Rahmen im Detail.

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Sexuelle Funktionsstörungen sollten stets von einer medizinischen Fachperson abgeklärt werden.

Wie wirkt PT-141 im Gehirn?

Der Wirkmechanismus von PT-141 setzt im zentralen Nervensystem an und ist damit fundamental anders als der gängiger Potenzmittel. Bremelanotid bindet als Agonist an mehrere Melanocortin-Rezeptoren, wobei die Wirkung auf die sexuelle Funktion vor allem über den Melanocortin-4-Rezeptor (MC4R) vermittelt wird. Dieser Rezeptortyp ist unter anderem im Hypothalamus stark exprimiert – einer Hirnregion, die zentrale Steuerfunktionen für Appetit, Energiehaushalt und Sexualverhalten übernimmt.

Durch die Aktivierung des MC4-Rezeptors moduliert PT-141 dopaminerge Signalwege im medialen präoptischen Areal des Hypothalamus. Dopamin gilt als einer der wichtigsten Neurotransmitter für Motivation und sexuelles Verlangen (Libido). Tierexperimentelle Studien zeigten, dass die Gabe von Bremelanotid die Freisetzung von Dopamin in diesen Schaltkreisen erhöht und solitäres wie partnerbezogenes Sexualverhalten anstößt. Der Effekt entsteht also auf der Ebene des „Antriebs“, nicht erst an den Erfolgsorganen.

Dieser zentrale Ansatzpunkt erklärt, warum PT-141 sowohl die subjektive Lust als auch – in der ursprünglichen Forschung bei Männern – die genitale Reaktion beeinflussen kann. Da das sexuelle Verlangen im Gehirn „startet“, kann eine Substanz, die diese Schaltkreise aktiviert, theoretisch auch dann wirken, wenn vaskulär ansetzende Medikamente versagen. Das macht den Melanocortin-Weg zu einem eigenständigen pharmakologischen Konzept.

Wichtig ist zu verstehen, dass Melanocortin-Rezeptoren ein breites Wirkspektrum besitzen. MC1R steuert die Hautpigmentierung, MC2R die Nebennierenfunktion, während MC3R und MC4R an der Regulation von Energiehaushalt und Sexualverhalten beteiligt sind. Da Bremelanotid nicht vollständig selektiv ist, erklären sich aus dieser Rezeptorvielfalt auch typische Nebenwirkungen wie Übelkeit, Hautrötungen und vorübergehende Blutdruckanstiege. Eine Übersicht der Fachbegriffe bietet unser Peptid-Glossar.

Pharmakokinetisch wird PT-141 subkutan verabreicht und erreicht relativ rasch wirksame Plasmaspiegel, mit einer Halbwertszeit von rund zwei Stunden. Diese Eigenschaften unterstützen die Anwendung „bei Bedarf“ vor sexueller Aktivität, ohne dass eine kontinuierliche tägliche Einnahme erforderlich ist.

Wofür wurde Vyleesi von der FDA zugelassen?

Im Juni 2019 erteilte die US-amerikanische Arzneimittelbehörde FDA die Zulassung für Vyleesi (Bremelanotid) zur Behandlung der erworbenen, generalisierten hypoaktiven sexuellen Luststörung (HSDD) bei prämenopausalen Frauen. HSDD bezeichnet einen anhaltenden oder wiederkehrenden Mangel an sexuellem Verlangen, der bei der betroffenen Person erheblichen Leidensdruck oder zwischenmenschliche Schwierigkeiten verursacht und nicht durch eine andere Erkrankung, ein Medikament oder Beziehungsprobleme erklärbar ist.

Die Begriffe „erworben“ und „generalisiert“ sind dabei entscheidend für die Indikation. „Erworben“ bedeutet, dass die Betroffene zuvor ein normales sexuelles Verlangen hatte, das später nachließ. „Generalisiert“ heißt, dass der Verlangensverlust unabhängig von Partner, Situation oder Art der sexuellen Stimulation auftritt. Damit grenzt die Zulassung die Anwendung klar von situationsbedingten oder lebenslang bestehenden Formen ab.

Vyleesi war nach Flibanserin (Addyi) das zweite von der FDA zugelassene Medikament gegen HSDD bei Frauen. Während Flibanserin täglich eingenommen werden muss und nicht mit Alkohol kombiniert werden darf, bietet Bremelanotid den Vorteil einer bedarfsorientierten Anwendung. Diese Unterscheidung war ein wesentliches Argument für die Marktzulassung und prägt bis heute die klinische Positionierung des Wirkstoffs.

Es ist ausdrücklich hervorzuheben, dass sich die Zulassung ausschließlich auf prämenopausale Frauen mit HSDD bezieht. Vyleesi ist nicht zur Behandlung der erektilen Dysfunktion beim Mann, nicht für postmenopausale Frauen und nicht zur allgemeinen Steigerung der sexuellen Leistungsfähigkeit zugelassen. Auch eine Anwendung zur Förderung sexueller Lust bei gesunden Personen ohne diagnostizierte Störung entspricht nicht der genehmigten Indikation.

In Europa hat Bremelanotid bislang keine vergleichbare breite Marktzulassung über die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erhalten, sodass der Status je nach Land unterschiedlich ist. Wer eine Behandlung erwägt, sollte den regulatorischen Rahmen im jeweiligen Wohnsitzland und die ärztliche Verschreibungspflicht beachten.

Wie unterscheidet sich PT-141 von Viagra & Co.?

Der grundlegende Unterschied zwischen PT-141 und klassischen Potenzmitteln liegt im Angriffsort. Medikamente wie Sildenafil (Viagra), Tadalafil (Cialis) oder Vardenafil gehören zur Klasse der PDE-5-Hemmer. Sie wirken peripher an den Blutgefäßen: Durch Hemmung des Enzyms Phosphodiesterase Typ 5 erhöhen sie die Konzentration von zyklischem GMP, was zur Entspannung der glatten Gefäßmuskulatur und damit zu einer verbesserten Durchblutung des Genitalbereichs führt.

PT-141 verfolgt einen völlig anderen Ansatz. Es wirkt nicht auf die Gefäße, sondern auf das zentrale Nervensystem, indem es Melanocortin-Rezeptoren aktiviert und die neuronalen Schaltkreise des sexuellen Verlangens anstößt. Vereinfacht gesagt: PDE-5-Hemmer verbessern die körperliche „Hardware“ der Erektion, während Bremelanotid auf die „Software“ der Lust und Motivation einwirkt. Diese Unterscheidung ist klinisch bedeutsam.

Aus dem unterschiedlichen Mechanismus ergeben sich verschiedene Einsatzszenarien. PDE-5-Hemmer benötigen sexuelle Stimulation und ein intaktes Verlangen, um wirken zu können – sie adressieren primär die Durchblutung, nicht die Libido. PT-141 setzt dagegen an der Lust selbst an und könnte deshalb theoretisch auch dort ansetzen, wo die Ursache der Funktionsstörung im fehlenden Verlangen und nicht in der Durchblutung liegt. Genau hier liegt die Rationale für die HSDD-Zulassung bei Frauen.

Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterschiede zusammen:

MerkmalPT-141 (Bremelanotid)PDE-5-Hemmer (z. B. Sildenafil)
WirkortZentrales Nervensystem (MC4-Rezeptor)Periphere Blutgefäße
Primärer EffektSexuelles Verlangen / LibidoDurchblutung / Erektion
VerabreichungSubkutane InjektionTablette (oral)
Zugelassene IndikationHSDD bei prämenopausalen FrauenErektile Dysfunktion beim Mann
AnwendungBei Bedarf, ca. 45 Min. vorherBei Bedarf, ca. 30–60 Min. vorher

Wichtig: Beide Wirkstoffklassen können den Blutdruck beeinflussen, allerdings in unterschiedliche Richtungen. PDE-5-Hemmer senken tendenziell den Blutdruck, weshalb die gleichzeitige Einnahme von Nitraten gefährlich ist. PT-141 kann den Blutdruck vorübergehend erhöhen. Eine Kombination beider Substanzklassen ist daher nicht ohne ärztliche Aufsicht zu empfehlen.

Wie wird PT-141 dosiert und angewendet?

Die zugelassene Dosierung von Vyleesi ist klar definiert: Eine Einzeldosis von 1,75 mg Bremelanotid wird als subkutane Injektion in den Bauch oder den Oberschenkel verabreicht. Geliefert wird das Medikament als gebrauchsfertiger Einweg-Autoinjektor (Fertigpen), was die Selbstanwendung vereinfacht. Die Injektion sollte mindestens 45 Minuten vor der erwarteten sexuellen Aktivität erfolgen, wobei das individuelle Timing innerhalb eines sinnvollen Zeitfensters angepasst werden kann.

Hinsichtlich der Anwendungshäufigkeit gelten klare Obergrenzen. Es sollte nicht mehr als eine Dosis innerhalb von 24 Stunden und nicht mehr als acht Dosen pro Monat angewendet werden. Diese Limitierung dient der Sicherheit und beugt einer übermäßigen Belastung durch die bekannten Nebenwirkungen, insbesondere Blutdruckanstiege, vor. Wenn nach acht Wochen regelmäßiger Anwendung kein Nutzen spürbar ist, sollte die Behandlung in Absprache mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt beendet werden.

Die folgende Übersicht fasst die zugelassenen Eckdaten zusammen:

ParameterAngabe
Einzeldosis1,75 mg
ApplikationswegSubkutan (Bauch oder Oberschenkel)
ZeitpunktMind. 45 Minuten vor sexueller Aktivität
Maximum pro Tag1 Dosis / 24 Stunden
Maximum pro Monat8 Dosen
Bewertung der WirkungNach ca. 8 Wochen

Es muss deutlich betont werden, dass abweichende Dosierungsschemata, die im Zusammenhang mit nicht zugelassenen „Research-Peptide“-Produkten kursieren, weder behördlich geprüft noch sicherheitstechnisch validiert sind. Solche frei verkauften Präparate unterliegen keiner pharmazeutischen Qualitätskontrolle, sodass Reinheit, Konzentration und Sterilität nicht garantiert sind. Für Fragen zur korrekten Rekonstitution von Lyophilisaten in der Forschung kann das Peptide-Lab-Tool als Rechenhilfe dienen – dies stellt jedoch keine Empfehlung zur Selbstmedikation dar.

Medizinischer Hinweis: Die hier genannten Angaben beziehen sich auf die offizielle Fachinformation des zugelassenen Arzneimittels und ersetzen nicht die individuelle ärztliche Verordnung. Eine Anwendung sollte ausschließlich unter ärztlicher Aufsicht und nach gesicherter Diagnose erfolgen.

Welche Nebenwirkungen und Risiken hat PT-141?

Wie jeder pharmakologisch aktive Wirkstoff ist auch Bremelanotid mit einem Spektrum an Nebenwirkungen verbunden. Die mit Abstand häufigste unerwünschte Wirkung ist Übelkeit, die in den Zulassungsstudien bei rund 40 % der Anwenderinnen auftrat – bei einem Teil davon bereits nach der ersten Dosis. Die Übelkeit ist meist mild bis mäßig ausgeprägt und nimmt bei wiederholter Anwendung tendenziell ab, kann in Einzelfällen jedoch ein Antiemetikum erforderlich machen.

Weitere häufige Nebenwirkungen umfassen Hautrötung (Flush), Kopfschmerzen sowie Reaktionen an der Injektionsstelle. Eine charakteristische, mit dem Melanocortin-Mechanismus zusammenhängende Nebenwirkung ist die Hyperpigmentierung der Haut – etwa im Gesicht, am Zahnfleisch oder an der Brust. Diese tritt vor allem bei häufigerer Anwendung auf und bildet sich nach Absetzen nicht immer vollständig zurück. Personen mit dunklerem Hauttyp scheinen ein höheres Risiko zu haben.

Klinisch besonders relevant ist der Effekt auf den Blutdruck. PT-141 verursacht einen vorübergehenden Anstieg des systolischen und diastolischen Blutdrucks, der typischerweise einige Stunden nach der Injektion auftritt und in der Regel innerhalb von zwölf Stunden abklingt. Mit diesem Anstieg geht häufig ein leichter Abfall der Herzfrequenz einher. Aus diesem Grund ist Bremelanotid bei Personen mit unkontrolliertem Bluthochdruck oder bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung kontraindiziert.

Aufgrund der Blutdruckwirkung sollte PT-141 nicht bei Personen mit erhöhtem kardiovaskulärem Risiko angewendet werden. Ebenso wird von einer täglichen oder übermäßig häufigen Anwendung abgeraten, da sich die Blutdruckeffekte kumulieren können. Bei gleichzeitiger Einnahme bestimmter oral aufgenommener Medikamente – etwa Naltrexon – kann Bremelanotid die Aufnahme dieser Wirkstoffe verringern, was bei der Therapieplanung berücksichtigt werden muss.

Für nicht zugelassene Anwendungen, insbesondere bei Männern oder zur Selbstoptimierung, fehlen kontrollierte Langzeitsicherheitsdaten weitgehend. Das Risiko-Nutzen-Verhältnis lässt sich in diesen Kontexten nicht seriös beziffern. Wer Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verspürt, sollte die zugrunde liegenden Ursachen – hormonell, vaskulär, psychisch oder medikamentös – ärztlich abklären lassen, bevor ein Wirkstoff in Betracht gezogen wird. Weitere Hinweise enthält unser medizinischer Haftungsausschluss.

Was sagt die klinische Forschung?

Die Datenlage zu Bremelanotid ist im Vergleich zu vielen experimentellen Peptiden vergleichsweise solide, da es ein vollständiges klinisches Entwicklungsprogramm durchlaufen hat. Die Grundlage der FDA-Zulassung bildeten zwei identisch aufgebaute, randomisierte, doppelblinde und placebokontrollierte Phase-3-Studien, bekannt unter den Namen RECONNECT. In diese Studien wurden mehr als 1 200 prämenopausale Frauen mit diagnostizierter HSDD eingeschlossen.

Über einen Zeitraum von 24 Wochen erhielten die Teilnehmerinnen entweder Bremelanotid 1,75 mg oder Placebo zur bedarfsweisen subkutanen Anwendung. Als primäre Endpunkte dienten validierte Fragebögen zum sexuellen Verlangen (Female Sexual Function Index – Desire Domain) sowie zum Leidensdruck infolge des verminderten Verlangens. In beiden Studien zeigten die mit Bremelanotid behandelten Frauen statistisch signifikante Verbesserungen gegenüber Placebo, sowohl beim Verlangen als auch beim damit verbundenen Leidensdruck.

Bei der Interpretation ist jedoch wissenschaftliche Sorgfalt geboten. Die absoluten Effektgrößen waren moderat: Der Unterschied zu Placebo bei der Häufigkeit befriedigender sexueller Ereignisse war klein, und ein erheblicher Anteil der Teilnehmerinnen brach die Studie wegen Nebenwirkungen – vor allem Übelkeit – ab. Die klinische Relevanz für die einzelne Patientin hängt daher stark von individuellen Erwartungen und der Verträglichkeit ab. Bremelanotid ist kein „Wundermittel“, sondern eine Option mit begrenztem, aber messbarem Effekt.

Historisch betrachtet wurde PT-141 ursprünglich auch zur Behandlung der erektilen Dysfunktion beim Mann untersucht, zunächst in einer intranasalen Darreichungsform. Frühe Phase-2-Studien zeigten erektionsfördernde Effekte, doch die Entwicklung in dieser Indikation wurde – unter anderem wegen der Blutdruckwirkung bei der intranasalen Gabe – nicht bis zur Zulassung fortgeführt. Die heutige Evidenzbasis konzentriert sich daher klar auf die weibliche HSDD.

Insgesamt steht PT-141 damit zwischen zwei Welten: Es ist einerseits ein behördlich zugelassenes Arzneimittel mit kontrollierten Studiendaten, andererseits werden viele kursierende Anwendungen – etwa bei Männern oder gesunden Personen – nicht durch belastbare klinische Evidenz gestützt. Diese Unterscheidung zwischen gesicherter Indikation und spekulativer Off-Label-Nutzung ist zentral für eine seriöse Bewertung.

Welcher rechtliche Status und welche Vorsichtsmaßnahmen gelten?

Der rechtliche Status von PT-141 / Bremelanotid ist zweigeteilt und hängt stark von der Form ab, in der die Substanz angeboten wird. Als Arzneimittel Vyleesi ist Bremelanotid in den USA verschreibungspflichtig und für eine eng definierte Indikation zugelassen. In dieser Form unterliegt es pharmazeutischer Qualitätskontrolle, definierter Dosierung und ärztlicher Überwachung. In vielen anderen Ländern – darunter weite Teile Europas – besteht keine gleichwertige breite Marktzulassung, sodass die Verfügbarkeit eingeschränkt ist.

Davon strikt zu trennen sind als „Research Peptide“ oder „nur für Forschungszwecke“ vermarktete Pulver und Lösungen. Diese Produkte sind nicht für den menschlichen Gebrauch zugelassen, unterliegen keiner Arzneimittelaufsicht und garantieren weder Reinheit noch korrekte Dosierung. Der Erwerb und die Anwendung solcher Präparate zur Selbstbehandlung bergen erhebliche Risiken hinsichtlich Sicherheit, Sterilität und rechtlicher Konsequenzen. Die rechtliche Einordnung variiert zudem von Land zu Land erheblich.

Sportlerinnen und Sportler sollten beachten, dass Substanzen mit Wirkung auf hormonelle und metabolische Systeme im Visier von Anti-Doping-Regelwerken stehen können. Wer im organisierten Wettkampfsport aktiv ist, sollte den aktuellen Status jeder Substanz vor einer Anwendung sorgfältig prüfen, da Verstöße schwerwiegende sportrechtliche Folgen haben können.

Aus medizinischer Sicht gilt: Eine sexuelle Funktionsstörung ist ein ernstzunehmendes Symptom, das vielfältige Ursachen haben kann – von hormonellen Störungen über kardiovaskuläre Erkrankungen und Nebenwirkungen anderer Medikamente bis hin zu psychischen und partnerschaftlichen Faktoren. Eine eigenmächtige Anwendung von Peptiden ohne Diagnose kann die zugrunde liegende Ursache verschleiern und gesundheitliche Risiken bergen.

Zusammenfassend ist PT-141 ein pharmakologisch interessantes und teilweise zugelassenes Peptid mit einem klar umrissenen, aber begrenzten Anwendungsbereich. Wer eine Behandlung erwägt, sollte ausschließlich auf ärztlich verordnete, qualitätsgesicherte Präparate setzen und die Therapie professionell begleiten lassen. Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken, stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt nicht die Konsultation einer qualifizierten medizinischen Fachperson.

🧬

Testen Sie Ihr Wissen

Schnell-Quiz · 6 Fragen

Häufig gestellte Fragen

Wirkt PT-141 auch bei Männern?
PT-141 wurde ursprünglich auch zur Behandlung der erektilen Dysfunktion beim Mann erforscht, und frühe Studien zeigten erektionsfördernde Effekte über den zentralen Melanocortin-Mechanismus. Die behördliche Zulassung als Vyleesi betrifft jedoch ausschließlich prämenopausale Frauen mit hypoaktiver sexueller Luststörung (HSDD). Eine Anwendung bei Männern gilt als Off-Label und ist nicht durch eine Zulassung abgesichert. Betroffene sollten sich ärztlich beraten lassen.
Wie schnell wirkt PT-141 nach der Anwendung?
Die zugelassene Vyleesi-Injektion soll mindestens 45 Minuten vor der erwarteten sexuellen Aktivität verabreicht werden. Bremelanotid erreicht relativ rasch wirksame Plasmaspiegel und hat eine Halbwertszeit von etwa zwei Stunden. Das individuelle Wirkungsempfinden kann variieren. Pro 24 Stunden darf nur eine Dosis und pro Monat höchstens acht Dosen angewendet werden.
Worin unterscheidet sich PT-141 von Viagra?
Viagra (Sildenafil) ist ein PDE-5-Hemmer, der peripher an den Blutgefäßen wirkt und die Durchblutung verbessert. PT-141 wirkt dagegen zentral im Gehirn über Melanocortin-Rezeptoren und stößt das sexuelle Verlangen selbst an. Vereinfacht adressiert Viagra die körperliche Erektionsfähigkeit, während PT-141 auf die Libido und Motivation einwirkt. Eine Kombination beider Substanzen sollte nur unter ärztlicher Aufsicht erfolgen.
Welche Nebenwirkungen treten am häufigsten auf?
Die häufigste Nebenwirkung ist Übelkeit, die in Studien bei etwa 40 % der Anwenderinnen auftrat. Weitere häufige Effekte sind Hautrötung (Flush), Kopfschmerzen und Reaktionen an der Injektionsstelle. Charakteristisch ist außerdem eine mögliche Hyperpigmentierung der Haut. Klinisch besonders relevant ist ein vorübergehender Blutdruckanstieg, weshalb PT-141 bei unkontrolliertem Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen kontraindiziert ist.
Ist PT-141 in Europa legal erhältlich?
Als Arzneimittel Vyleesi ist Bremelanotid in den USA verschreibungspflichtig zugelassen, während in weiten Teilen Europas keine gleichwertige breite Marktzulassung besteht. Als „Research Peptide“ vertriebene Produkte sind nicht für den menschlichen Gebrauch bestimmt, unterliegen keiner Arzneimittelaufsicht und bieten keine Garantie für Reinheit oder Dosierung. Der rechtliche Status variiert je nach Land; eine Anwendung sollte nur mit ärztlich verordneten, qualitätsgesicherten Präparaten erfolgen.

Quellen

  1. Kingsberg SA, Clayton AH, Portman D, et al. (2019). Bremelanotide for the Treatment of Hypoactive Sexual Desire Disorder: Two Randomized Phase 3 Trials (RECONNECT). Obstetrics & Gynecology.
  2. Molinoff PB, Shadiack AM, Earle D, et al. (2003). PT-141: a melanocortin agonist for the treatment of sexual dysfunction. Annals of the New York Academy of Sciences.
  3. Clayton AH, Althof SE, Kingsberg S, et al. (2016). Bremelanotide for female sexual dysfunctions in premenopausal women: a randomized, placebo-controlled dose-finding trial. Women's Health (London).
  4. Diamond LE, Earle DC, Heiman JR, et al. (2006). An effect on the subjective sexual response in premenopausal women with sexual arousal disorder by bremelanotide (PT-141), a melanocortin receptor agonist. Journal of Sexual Medicine.
  5. Dhillon S, Keam SJ. (2019). Bremelanotide: First Approval. Drugs.
  6. Pfaus J, Giuliano F, Gelez H. (2007). Bremelanotide: an overview of preclinical CNS effects on female sexual function. Journal of Sexual Medicine.

Dieser Inhalt dient ausschließlich zu Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine medizinische Beratung dar. Konsultieren Sie einen Arzt, bevor Sie Entscheidungen treffen. Unseren vollständigen medizinischen Haftungsausschluss lesen

GHK-Cu
GHK-Cu
Kraftvolles Anti-Aging →