- Tirzepatid ist ein dualer GIP/GLP-1-Rezeptoragonist, während Semaglutid ausschließlich am GLP-1-Rezeptor wirkt.
- In klinischen Studien führte Tirzepatid zu einem durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20–22 %, Semaglutid zu 15–17 % des Körpergewichts.
- Beide Wirkstoffe sind von FDA und EMA für Typ-2-Diabetes und Adipositas zugelassen und werden einmal wöchentlich subkutan injiziert.
- Gastrointestinale Nebenwirkungen (Übelkeit, Durchfall) sind bei beiden Präparaten häufig und meist dosisabhängig.
- Die Wahl des Wirkstoffs sollte individuell mit einer Ärztin oder einem Arzt anhand von Begleiterkrankungen, Verträglichkeit und Kosten getroffen werden.
Was sind Semaglutid und Tirzepatid?
Semaglutid und Tirzepatid gehören zur Klasse der Inkretin-basierten Wirkstoffe, die in den letzten Jahren die Behandlung von Typ-2-Diabetes und Adipositas grundlegend verändert haben. Beide werden einmal wöchentlich als subkutane Injektion verabreicht und ahmen körpereigene Darmhormone nach, die den Blutzucker und das Sättigungsgefühl regulieren.
Semaglutid wurde vom Pharmaunternehmen Novo Nordisk entwickelt und ist unter den Handelsnamen Ozempic (Diabetes), Wegovy (Adipositas) sowie als Tablette Rybelsus erhältlich. Die FDA erteilte 2017 die Zulassung für Diabetes und 2021 für die Gewichtsreduktion. Tirzepatid stammt vom Hersteller Eli Lilly und wird als Mounjaro (Diabetes, zugelassen 2022) sowie als Zepbound (Adipositas, zugelassen 2023) vermarktet.
Der entscheidende Unterschied liegt im Wirkmechanismus: Semaglutid ist ein reiner GLP-1-Rezeptoragonist, während Tirzepatid als sogenannter dualer Agonist gleichzeitig zwei Hormonrezeptoren anspricht. Diese pharmakologische Besonderheit erklärt einen Großteil der beobachteten Wirksamkeitsunterschiede, die wir in diesem Artikel detailliert betrachten. Für ein grundlegendes Verständnis empfehlen wir unseren GLP-1-Leitfaden.
Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Beide Wirkstoffe sind verschreibungspflichtig und sollten nur unter medizinischer Aufsicht angewendet werden.
Wie wirken die beiden Wirkstoffe?
Um den Vergleich zu verstehen, lohnt ein Blick auf die zugrunde liegende Biologie. Das körpereigene Hormon GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) wird nach dem Essen im Darm ausgeschüttet. Es fördert die insulinabhängige Senkung des Blutzuckers, hemmt die Glukagonfreisetzung, verlangsamt die Magenentleerung und signalisiert dem Gehirn ein Sättigungsgefühl.
Semaglutid bindet selektiv an den GLP-1-Rezeptor und verstärkt genau diese Effekte. Durch chemische Modifikationen besitzt es eine deutlich verlängerte Halbwertszeit von etwa einer Woche, was die einmalwöchentliche Gabe ermöglicht.
Tirzepatid geht einen Schritt weiter: Es aktiviert nicht nur den GLP-1-Rezeptor, sondern zusätzlich den Rezeptor für GIP (glukoseabhängiges insulinotropes Polypeptid). GIP ist ein weiteres Inkretinhormon, das ebenfalls die Insulinsekretion fördert und vermutlich den Fett- und Energiestoffwechsel günstig beeinflusst. Die gleichzeitige Aktivierung beider Wege wird als Grund für die stärkere Stoffwechselwirkung diskutiert.
- Semaglutid: Einfacher Wirkmechanismus (GLP-1)
- Tirzepatid: Dualer Wirkmechanismus (GIP + GLP-1)
Beide Wirkstoffe sind synthetische Peptide. Wer mehr über die Grundlagen erfahren möchte, findet in unserem Artikel Was ist ein Peptid? eine verständliche Einführung. Wichtig ist: Die stärkere rezeptorische Wirkung bedeutet nicht automatisch, dass ein Wirkstoff für jeden Menschen die bessere Wahl ist.
Welcher Wirkstoff führt zu mehr Gewichtsverlust?
Beim Gewichtsverlust zeigt sich der deutlichste Unterschied zwischen beiden Wirkstoffen. Die Datenlage stammt aus großen, randomisierten Phase-III-Studienprogrammen: den STEP-Studien für Semaglutid und den SURMOUNT-Studien für Tirzepatid.
In den STEP-Studien erreichten Patientinnen und Patienten ohne Diabetes unter Semaglutid (2,4 mg wöchentlich) einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 15–17 % des Ausgangskörpergewichts über 68 Wochen. Tirzepatid zeigte in den SURMOUNT-Studien bei der höchsten Dosis (15 mg wöchentlich) einen durchschnittlichen Verlust von 20–22 % – bei einem Teil der Teilnehmenden sogar mehr als 25 %.
| Parameter | Semaglutid (STEP) | Tirzepatid (SURMOUNT) |
|---|---|---|
| Durchschnittl. Gewichtsverlust | 15–17 % | 20–22 % |
| Höchste Dosis | 2,4 mg/Woche | 15 mg/Woche |
| Studiendauer | 68 Wochen | 72 Wochen |
Eine direkte Vergleichsstudie (Head-to-Head), die SURMOUNT-5, bestätigte 2025 die Überlegenheit von Tirzepatid hinsichtlich des reinen Gewichtsverlusts. Wichtig ist jedoch der Kontext: Auch Semaglutid erzielt klinisch hochrelevante Ergebnisse, die früher nur durch bariatrische Chirurgie erreichbar schienen. Der individuelle Erfolg hängt stark von Ernährung, Bewegung und Therapietreue ab. Ähnliche Vergleichslogiken behandeln wir auch in unserem Beitrag Matrixyl vs. Argireline.
Wie wirksam sind sie bei Typ-2-Diabetes?
Beide Wirkstoffe wurden ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt, und auch hier ist die Datenlage robust. Der zentrale Wirksamkeitsparameter ist der HbA1c-Wert, der den durchschnittlichen Blutzucker über mehrere Wochen abbildet.
In den SUSTAIN-Studien senkte Semaglutid den HbA1c-Wert um etwa 1,5–1,8 Prozentpunkte. Tirzepatid erreichte in den SURPASS-Studien Senkungen von bis zu 2,0–2,4 Prozentpunkten und übertraf in direkten Vergleichen (SURPASS-2) sowohl Semaglutid als auch andere Standardtherapien.
Ein bemerkenswerter Befund: Unter Tirzepatid erreichte ein deutlich höherer Anteil der Patientinnen und Patienten einen HbA1c-Wert unter 5,7 % – also einen Bereich, der normalerweise als nicht-diabetisch gilt. Dies bedeutet jedoch nicht, dass der Diabetes "geheilt" wird; bei Absetzen kehren die Werte in der Regel zurück.
- Semaglutid: HbA1c-Senkung ca. 1,5–1,8 %
- Tirzepatid: HbA1c-Senkung ca. 2,0–2,4 %
- Beide reduzieren zudem kardiovaskuläre Risikofaktoren
Für Semaglutid liegen zudem umfangreiche Daten zur Reduktion kardiovaskulärer Ereignisse vor (SELECT-Studie). Tirzepatid wird diesbezüglich noch in laufenden Studien untersucht. Diese Endpunktdaten sind für viele Behandelnde ein wichtiges Entscheidungskriterium, das über den reinen Blutzucker- oder Gewichtseffekt hinausgeht.
Kardiovaskuläre und metabolische Vorteile
Über Gewichts- und Blutzuckerkontrolle hinaus zeigen beide Medikamente günstige Effekte auf die kardiovaskuläre Gesundheit — ein entscheidender Aspekt für Patienten mit Adipositas und Diabetes, die ein erhöhtes kardiovaskuläres Risiko haben.
Kardiovaskuläre Evidenz für Semaglutid
Semaglutid verfügt über die ausgereifteste kardiovaskuläre Datenbasis. Die SUSTAIN-6-Studie zeigte eine 26%ige Reduktion schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (MACE) bei Typ-2-Diabetes-Patienten. Neuere Daten aus der SELECT-Studie (2023) zeigten eine 20%ige Reduktion von MACE mit Semaglutid 2,4 mg bei Menschen mit Adipositas ohne Diabetes — wodurch es das erste Gewichtsmanagement-Medikament mit nachgewiesenem kardiovaskulärem Nutzen in dieser Population wurde.
Kardiovaskuläre Evidenz für Tirzepatid
Die dedizierte kardiovaskuläre Endpunktstudie von Tirzepatid (SURPASS-CVOT) läuft noch, mit Ergebnissen, die 2027 erwartet werden. Zwischendaten aus SURPASS-4 zeigten kardiovaskuläre Sicherheit (Nichtunterlegenheit gegenüber Insulin glargin), aber dies war keine Überlegenheitsstudie. Die SURMOUNT-OSA-Studie zeigte signifikante Reduktionen der Schwere obstruktiver Schlafapnoe, was indirekt einen kardiovaskulären Nutzen unterstützt.
Metabolische Verbesserungen
Beide Medikamente verbessern kardiometabolische Marker über das Gewicht hinaus:
| Parameter | Semaglutid | Tirzepatid |
|---|---|---|
| Systolische Blutdrucksenkung | 4–6 mmHg | 5–8 mmHg |
| Triglycerid-Reduktion | 12–18 % | 19–25 % |
| HDL-Erhöhung | 3–5 % | 5–8 % |
| Leberfett-Reduktion (NAFLD) | 50–60 % | 50–65 % |
Für Patienten, bei denen die Reduktion des kardiovaskulären Risikos ein primäres Ziel ist, haben die etablierten Ergebnisdaten von Semaglutid derzeit möglicherweise mehr Gewicht bei der klinischen Entscheidungsfindung, obwohl sich dies mit den CVOT-Berichten von Tirzepatid ändern könnte.
Welche Nebenwirkungen treten auf?
Das Nebenwirkungsprofil beider Wirkstoffe ist erstaunlich ähnlich, da beide auf das Inkretinsystem wirken. Im Vordergrund stehen gastrointestinale Beschwerden, die meist zu Behandlungsbeginn und bei Dosissteigerung auftreten.
Zu den häufigsten Nebenwirkungen zählen:
- Übelkeit (häufigste Beschwerde, oft vorübergehend)
- Durchfall und Verstopfung
- Erbrechen
- Appetitlosigkeit und Völlegefühl
- Aufstoßen und Blähungen
Diese Beschwerden sind in der Regel dosisabhängig und lassen mit fortschreitender Behandlung nach. Eine langsame, schrittweise Dosissteigerung (Titration) reduziert ihre Häufigkeit und Intensität deutlich. In den Vergleichsstudien war das gastrointestinale Profil beider Wirkstoffe vergleichbar; einige Auswertungen deuten auf leicht häufigere Beschwerden unter den höchsten Tirzepatid-Dosen hin, was jedoch nicht durchgängig bestätigt ist.
Zu den selteneren, aber ernsteren möglichen Risiken zählen Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung), Gallenblasenerkrankungen sowie – in Tierstudien beobachtet – ein potenzielles Risiko für bestimmte Schilddrüsentumoren. Aus diesem Grund sind beide Wirkstoffe bei familiärer medullärer Schilddrüsenkarzinom-Vorgeschichte kontraindiziert. Sprechen Sie unbedingt mit einer Ärztin oder einem Arzt, bevor Sie eine Therapie beginnen, insbesondere bei Vorerkrankungen.
Ergebnisse aus der klinischen Praxis
Klinische Studien werden unter optimalen Bedingungen durchgeführt, die sich nicht immer auf den Alltag übertragen lassen. Das Verständnis dieser Lücke hilft, realistische Erwartungen an die Behandlungsergebnisse zu setzen.
Wesentliche Unterschiede zwischen Studien und Praxis
- Adhärenzraten: Studienteilnehmer erreichen 85–95 % Adhärenz; in der realen Praxis liegt die durchschnittliche Adhärenz nach 12 Monaten bei 50–70 %.
- Dosistitration: Viele Patienten in der Praxis erreichen aufgrund von Nebenwirkungen, Kosten oder ärztlicher Vorsicht nicht die Höchstdosen.
- Lebensstilunterstützung: Studien beinhalten strukturierte Ernährungs- und Bewegungsberatung, die in der klinischen Praxis stark variiert.
- Lieferengpässe: Medikamentenknappheit hat außerhalb von Studien zu Dosisreduktionen oder Behandlungsunterbrechungen geführt.
Gewichtsverlustdaten aus der Praxis
| Kennzahl | Klinische Studien | Praxisstudien |
|---|---|---|
| Gewichtsverlust Semaglutid | 15–17 % | 10–14 % |
| Gewichtsverlust Tirzepatid | 20–22 % | 14–18 % |
| 12-Monats-Persistenz | 85–90 % | 40–60 % |
Diese Praxiszahlen bleiben klinisch bedeutsam — eine Gewichtsreduktion von 10–15 % verbessert die metabolische Gesundheit signifikant — aber sie liegen unter den oft zitierten Studienergebnissen. Nur 30–40 % der Patienten bleiben nach 2 Jahren bei GLP-1-Medikamenten, hauptsächlich aufgrund von Kosten, Nebenwirkungen oder dem Versuch, nach Erreichen der Ziele abzusetzen.
Besondere Patientengruppen und Kontraindikationen
Nicht jeder ist ein Kandidat für diese Medikamente. Das Verständnis von Kontraindikationen gewährleistet eine sichere Verschreibung und informierte Patientenentscheidungen.
Absolute Kontraindikationen (beide Medikamente)
- Medulläres Schilddrüsenkarzinom (MTC): Persönliche oder familiäre Vorgeschichte.
- Multiple Endokrine Neoplasie Typ 2 (MEN 2)
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen das Medikament oder seine Bestandteile.
Schwangerschaft und Stillzeit
Beide sind während der Schwangerschaft kontraindiziert und sollten mindestens 2 Monate vor geplanter Empfängnis abgesetzt werden. Diese Medikamente können die Fruchtbarkeit erhöhen, indem sie den Eisprung bei Frauen mit adipositasbedingter Anovulation wiederherstellen — zuverlässige Verhütung ist unerlässlich, wenn keine Schwangerschaft gewünscht ist.
Besondere Patientengruppen
- Nierenerkrankung: Keine Dosisanpassung bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung; Vorsicht bei schwerer (eGFR < 15).
- Lebererkrankung: Sicher bei leichter bis mittelschwerer Einschränkung; kann NAFLD-Patienten nützen.
- Ältere (65+): Ähnliche Wirksamkeit; Flüssigkeitszufuhr während der Titration überwachen.
- Jugendliche: Semaglutid (Wegovy) ab 12 Jahren zugelassen; pädiatrische Studien zu Tirzepatid laufen.
- Gastroparese: Mit äußerster Vorsicht anwenden oder vermeiden — beide verlangsamen die Magenentleerung.
Arzneimittelwechselwirkungen
- Insulin/Sulfonylharnstoffe: Dosen reduzieren, um Hypoglykämie zu vermeiden.
- Orale Kontrazeptiva: Verzögerte Absorption möglich; Barrieremethoden während der Titration erwägen.
- Warfarin: INR anfangs häufiger kontrollieren.
Langfristige Gewichtsstabilisierung
Eine entscheidende Frage: Was passiert, wenn man aufhört? Das Verständnis der Langzeitdynamik ist für eine informierte Entscheidungsfindung unerlässlich.
Gewichtszunahme nach Absetzen
Klinische Daten zeigen konsequent eine signifikante Gewichtszunahme nach dem Absetzen:
- STEP-1-Verlängerung: Teilnehmer, die Semaglutid absetzten, nahmen innerhalb von 12 Monaten etwa zwei Drittel des verlorenen Gewichts wieder zu.
- SURMOUNT-4: Teilnehmer, die von Tirzepatid auf Placebo wechselten, nahmen über 52 Wochen etwa die Hälfte ihres verlorenen Gewichts wieder zu.
Dies spiegelt die chronische Natur der Adipositas wider: Hormonelle Anpassungen (erhöhtes Hungergefühl, vermindertes Sättigungsgefühl, reduzierter Stoffwechsel) bestehen nach dem Gewichtsverlust fort. Diese Medikamente wirken diesen Anpassungen entgegen; das Absetzen entfernt diese Unterstützung.
Ist eine lebenslange Behandlung notwendig?
Für viele Patienten kann eine langfristige oder unbefristete Behandlung notwendig sein — ähnlich wie bei der Behandlung von Bluthochdruck oder Diabetes. Einige können den Gewichtsverlust aufrechterhalten, wenn sie signifikante Lebensstiländerungen vorgenommen oder nur mäßige Mengen verloren haben, aber dies ist eher die Ausnahme als die Regel.
Praktische Implikationen
| Faktor | Spricht für Langzeitanwendung | Absetzversuch erwägen |
|---|---|---|
| Adipositas-Schweregrad | BMI ≥ 35, multiple Komorbiditäten | BMI 27–30, wenige Komorbiditäten |
| Lebensstiländerungen | Minimale Verhaltensmodifikation | Nachhaltige Ernährungs-/Bewegungsgewohnheiten |
| Gewichtsgeschichte | Multiple frühere Gewichtszunahme-Zyklen | Erster signifikanter Gewichtsverlust |
| Zugang/Kosten | Stabile Versicherung, erschwinglich | Unsichere Kostenübernahme |
Monatliche Kosten ohne Versicherung übersteigen 1.000–1.500 USD. Die Versicherungsdeckung ist uneinheitlich, wobei viele Pläne Gewichtsmanagement-Indikationen ausschließen. Berücksichtigen Sie den langfristigen Zugang vor Therapiebeginn.
Fazit: Diese Medikamente funktionieren am besten als Teil einer langfristigen Behandlungsstrategie und nicht als vorübergehende Lösung.
Wie unterscheiden sich Dosierung und Anwendung?
Beide Wirkstoffe werden als einmal wöchentliche subkutane Injektion mit einem vorgefüllten Pen verabreicht, typischerweise in Bauch, Oberschenkel oder Oberarm. Der Wochentag ist frei wählbar, sollte aber konstant bleiben.
Charakteristisch für beide Therapien ist die schrittweise Dosistitration über mehrere Monate. Sie dient dazu, gastrointestinale Nebenwirkungen zu minimieren und dem Körper Zeit zur Anpassung zu geben.
| Aspekt | Semaglutid | Tirzepatid |
|---|---|---|
| Anwendung | 1× wöchentlich s.c. | 1× wöchentlich s.c. |
| Startdosis (Adipositas) | 0,25 mg | 2,5 mg |
| Höchstdosis | 2,4 mg | 15 mg |
| Orale Variante | Ja (Rybelsus) | Nein |
Ein praktischer Vorteil von Semaglutid ist die Verfügbarkeit als Tablette (Rybelsus) für die Diabetesbehandlung – eine Option, die für Tirzepatid bislang nicht zugelassen ist, sich aber in der Entwicklung befindet. Wer Spritzen meidet, könnte dies als Entscheidungskriterium werten.
Bei beiden Wirkstoffen gilt: Wird die Therapie abgesetzt, kehrt der Appetit häufig zurück und ein Teil des Gewichts wird wieder aufgebaut. Inkretintherapien sind daher als langfristige Behandlung konzipiert, nicht als kurzfristige Kur. Themen wie die Kombination verschiedener Wirkstoffe behandeln wir in unserem Leitfaden zum Peptide-Stacking.
Was kosten Semaglutid und Tirzepatid?
Die Kosten beider Therapien sind erheblich und ein wesentlicher praktischer Faktor. Die Preise variieren stark je nach Land, Handelsname, Dosierung und Erstattungsstatus durch Krankenkassen.
In vielen Märkten liegen die monatlichen Listenpreise für beide Wirkstoffe in einer ähnlichen Größenordnung von mehreren Hundert Euro. Tirzepatid wird teilweise zu vergleichbaren oder leicht günstigeren Konditionen pro erreichtem Kilogramm Gewichtsverlust angeboten, was es aus gesundheitsökonomischer Sicht attraktiv macht.
Wichtige Kostenfaktoren im Überblick:
- Erstattung: Bei Typ-2-Diabetes übernehmen Krankenkassen die Kosten häufig; für die reine Adipositas-Indikation ist die Kostenübernahme in vielen Ländern eingeschränkt.
- Verfügbarkeit: Beide Wirkstoffe waren zeitweise von Lieferengpässen betroffen, da die Nachfrage das Angebot überstieg.
- Dosis: Höhere Dosen sind meist teurer.
Der Markt für Inkretintherapien wächst rasant: Allein Tirzepatid (Mounjaro) erzielte im dritten Quartal 2025 einen Umsatz von rund 10,1 Milliarden US-Dollar. Tirzepatid ist mit etwa einer Million monatlicher Suchanfragen der weltweit meistgesuchte Peptidbegriff. Vorsicht ist bei nicht zugelassenen "Research-Peptiden" aus dem Graumarkt geboten – diese unterliegen keiner Qualitätskontrolle und sind für die Anwendung am Menschen nicht zugelassen.
Welcher Wirkstoff eignet sich für wen?
Die Frage nach dem "besseren" Wirkstoff lässt sich nicht pauschal beantworten – die Wahl hängt von individuellen Faktoren ab. Auf Basis der aktuellen Studienlage lassen sich jedoch Tendenzen ableiten.
Tirzepatid könnte bevorzugt werden, wenn:
- ein maximaler Gewichtsverlust im Vordergrund steht
- eine besonders starke HbA1c-Senkung bei Typ-2-Diabetes nötig ist
- frühere GLP-1-Therapien nicht ausreichend gewirkt haben
Semaglutid könnte vorteilhaft sein, wenn:
- umfangreiche Langzeitdaten zur kardiovaskulären Sicherheit gewünscht sind
- eine orale Darreichungsform (Tablette) bevorzugt wird
- bereits gute Erfahrungen mit dem Wirkstoff bestehen
Entscheidend sind außerdem die individuelle Verträglichkeit, Begleiterkrankungen, mögliche Kontraindikationen und die Kostenerstattung. Manche Menschen vertragen einen Wirkstoff besser als den anderen, ohne dass sich dies vorab vorhersagen lässt.
Letztlich gilt: Beide Wirkstoffe sind hochwirksame, zugelassene Therapien, die die Behandlung von Adipositas und Diabetes maßgeblich verändert haben. Die Entscheidung sollte stets gemeinsam mit qualifiziertem medizinischem Fachpersonal getroffen werden. Dieser Artikel dient ausschließlich Bildungszwecken. Konsultieren Sie vor jeder Therapieentscheidung eine Ärztin oder einen Arzt. Weiterführende Hinweise finden Sie in unserem medizinischen Haftungsausschluss.
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Häufig gestellte Fragen
Ist Tirzepatid wirklich wirksamer als Semaglutid?
Kann man von Semaglutid auf Tirzepatid wechseln?
Nimmt man nach dem Absetzen wieder zu?
Welche Nebenwirkungen sind am häufigsten?
Sind Semaglutid und Tirzepatid in Deutschland zugelassen?
Wie lange dauert es, bis man Ergebnisse beim Gewichtsverlust sieht?
Was passiert, wenn ich Semaglutid oder Tirzepatid absetze?
Wie viel kosten diese Medikamente ohne Versicherung?
Gibt es neuere Alternativen in der Entwicklung?
Ist ein Medikament sicherer als das andere?
Quellen
- Wilding JPH, Batterham RL, Calanna S, et al. (2021). Once-Weekly Semaglutide in Adults with Overweight or Obesity (STEP 1). New England Journal of Medicine.
- Jastreboff AM, Aronne LJ, Ahmad NN, et al. (2022). Tirzepatide Once Weekly for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-1). New England Journal of Medicine.
- Aronne LJ, Horn DB, le Roux CW, et al. (2025). Tirzepatide as Compared with Semaglutide for the Treatment of Obesity (SURMOUNT-5). New England Journal of Medicine.
- Frías JP, Davies MJ, Rosenstock J, et al. (2021). Tirzepatide versus Semaglutide Once Weekly in Patients with Type 2 Diabetes (SURPASS-2). New England Journal of Medicine.
- Nauck MA, Quast DR, Wefers J, Meier JJ (2021). GLP-1 receptor agonists in the treatment of type 2 diabetes — state-of-the-art. Molecular Metabolism.
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- Lincoff AM, Brown-Frandsen K, Colhoun HM, et al. (2023). Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Obesity without Diabetes (SELECT). New England Journal of Medicine.
- Marso SP, Bain SC, Consoli A, et al. (2016). Semaglutide and Cardiovascular Outcomes in Patients with Type 2 Diabetes (SUSTAIN-6). New England Journal of Medicine.
- Wilding JPH, Batterham RL, Davies M, et al. (2022). Weight Regain and Cardiometabolic Effects after Withdrawal of Semaglutide (STEP 1 Extension). Diabetes, Obesity and Metabolism.
- Jastreboff AM, Kaplan LM, Frías JP, et al. (2023). Triple-Hormone-Receptor Agonist Retatrutide for Obesity (Phase 2 Trial). New England Journal of Medicine.